Alternative zum Sandstrahlen

Alternative zum Sandstrahlen von Stahl

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Für eine Neubeschichtung von Stahloberflächen, die Witterungsbedingungen standhalten soll, ist eine geeignete Vorbereitung der Oberfläche absolute Voraussetzung. „Beschichtungen“ sollen Bauwerke über Jahre vor Korrosion schützen, und gehen natürlich weit über eine gewöhnliche „Lackierung“ wie sie für Objekte im Innenraum geeignet wäre, hinaus. Im industriellen Bereich gelten daher bestimmte Normen für die Oberflächenvorbereitung, die sich in einen definierten „Reinheitsgrad“ und einer gewissen „Rautiefe“ ausdrücken.

Denn nur eine Oberfläche, die frei von Rost, Fett und loser Altbeschichtung ist und gleichzeitig ein raues „Sandstrahlprofil“ als Haftgrund aufweist, ist in der Lage, die Haltbarkeit der Farbe („Beschichtung“) langfristig zu gewährleisten. Dies gilt – wenn auch nicht normiert und vorgeschrieben – natürlich auch für alle Objekte und Bauvorhaben, die im privaten Bereich vor Korrosion geschützt werden sollen.

Die richtige Vorbereitung der Oberfläche

Willst du dein Objekt – sei es ein Eisenzaun oder eine Oldtimer-Karosserie – also auf lange Sicht davor schützen, Rost anzusetzen, wird eine gute „Oberflächenvorbereitung“ in deinem Interesse sein. Denn die Beständigkeit hängt nur zum Teil von der Wahl des richtigen Lackes oder der Rostschutzfarbe ab! Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt die Vorbereitung der Oberfläche! Im industriellen Bereich ist in aller Regel Sandstrahlen das Mittel der Wahl, und eignet sich insbesondere für den großflächigen Einsatz  – z.B. im Schiff-, Brücken- und Stahlbau. Statt Sand wird jedoch ein scharfkantiges Granulat (engl. „grit“) verwendet.

Du willst dir nicht gleich eine komplette Sandstrahlausrüstung zulegen?

Schwieriger wird die Entscheidung jedoch dann, wenn nur kleine Flächen oder Reparaturstellen zu bearbeiten sind, denn dann wird der Einsatz von Sandstrahler-Equipment ineffektiv. Denn es müssen auch die Rüstkosten und der Aufwand des Einhausens bzw. Abdeckens umliegender intakter Flächen berücksichtigt werden. Auch für Arbeiten im privaten Bereich wird man sich ein professionelles Sandstrahlgerät nicht unbedingt leisten wollen.

Kein Sandstrahlen aber gleiches Ergebnis?

Eine richtige Alternative zum Sandstrahlen muss in der Lage sein das gleiche Ergebnis wie der Sandstrahler zu erzeugen. Um herauszufinden was sich am besten als Alternative zum Sandstrahlen eignet, müssen wir uns genauer die Anwendungsgebiete vom Sandstrahler anschauen. Diese bewegen sich in der Regel im Bereich von Oberflächenreinigung und Oberflächenaufrauung. Hier haben wir uns ein paar Anwendungsbereiche ausgesucht:

  • Entlackung: metallene Oberflächen wie z.B. eine Autokarosserie werden mit dem Sandstrahler bearbeitet um diese sehr sauber von Lacken und Farben zu befreien.
  • Reinigung von Fassaden: hartnäckiger Schmutz und Graffiti lassen sich kaum mit einem Hochdruckreiniger entfernen. Sandstrahlen ist hier dank der feinen abrasiven Wirkungsweise die beste Wahl.
  • Aufrauung: für eine spätere Neulackierung müssen viele Oberflächen vorher aufgeraut werden. Dies geht mit dem Sandstrahlgerät extrem gut.
  • Rostentfernung: der Wahrscheinlich häufigste Bereich wenn es um den Einsatz des Sandstrahlers geht. Dank variablem Druck und verschiedensten Strahlmitteln kriegt man alle Metalloberflächen mit der Sandstrahltechnik blank.

Eine Alternative zum Sandstrahlgerät muss also all dies ermöglichen, ohne dabei die gleichen K.O. Kriterien wie das Sandstrahlen zu haben. Diese liegen in der Regel bei der Staubentwicklung und an der Beschaffung sowie Lagerung der vielen Einzelteile welche zum Sandtsrahlen benötigt werden (Strahlgerät, Pistole, Kompressor, Strahlmittel etc.).

Zu der besten Alternative vom Sandstrahler kommen wir gleich, jedoch möchte ich erst noch die Möglichkeiten aufzählen die wegfallen, da sie das Sandstrahlen nicht vollwertig ersetzen können.

Diese Möglichkeiten sind keine vollwertige Alternative

Flex und Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz

Die Flex mit dem Drahtbürstenaufsatz (Zopf oder Topfbürste) ist wahrscheinlich die bekannteste Mögleichkeit wenn es um Rost- und Lackentfernung ohne Sandstrahler geht. Hier wird einfach auf die Flex (auch Winkelschleifer genannt) ein Drahtbürstenaufsatz montiert.Mit diesem kannst du nun ganz einfach die Oberfläche (egal ob Steinwand oder Autokarosserie)  abfahren und von Rost oder Lack befreien.

Doch nicht nur ein Drahtbürstenaufsatz kann auf die Flex montiert werden. Auch Fächerscheiben belegt mit Schleifpapier sind eine hilfreiche Variante.
Dies ist eine gute Möglichkeit um kleine Oberflächen zu säubern. Jedoch ersetzt diese noch lange kein Sandstrahlgerät, da der Einsatz für längere Arbeitsdauer uneffektiv ist, was vor allem an der kleinen Oberfläche der Drahtbürste und ihrer Beschaffenheit liegt.

Doch wie sieht es mit flüssigen Entfernungsmitteln aus?

Rost kann auch gut mit Salzsäure und Essigsäure entfernt werden. Entweder trägst du mit einem Pinsel die Säure auf die Oberfläche auf, oder du wendest die Tauchbad Variante an. Dazu tauchst du das Bauteil eine Zeit lang in einen Säure/-Wassergemisch gefüllten Behälter. Das tust du so lange bis der Rost weg ist. Danach muss die Oberfläche gründlich mit Wasser gereinigt werden.

Mit Lackentfernen kann man die Oberfläche Lack befreien. Die gesamte Oberfläche wird hierbei per Pinsel und Lackentferner fettfrei gemacht. Danach kann der Lack mit Schleifpapier leicht abgeschliffen werden.

Ebenfalls eine Zeitspielige Angelegnheit und bei weitem keine Alternative zum Sandstrahlen. Ein komplettes Auto mit Lackentferner einzupinseln ist wohl die uneffektivste Methode überhaubt. Für Mauerwerk und Fassaden lässt sich dies natürlich überhaupt nicht einsetzen und bei metallenen Oberflächen kann hiermit auch keine Rautiefe hergestellt werden.

Die besten Sandstrahl Alternativen

Eine geeignete sandstrahlen Alternative zu finden ist also nicht leicht. Jedoch haben wir sie gefunden! Die Firma  MONTI ist auf Geräte zur Oberflächenvorbereitung spezialisiert und hat ein Gerät entwickelt, das ein gleiches Ergebnis wie Sandstrahlen erzielt: Für industrielle Anwender (aber auch Privatanwender mit hohen Ansprüchen) gibt es den sog. Bristle Blaster® (übersetzt = „Borsten Strahler“).

Bristle Blaster®

Auf den ersten Blick könnte man das Gerät für eine gewöhnliche rotierende Drahtbürste halten, jedoch unterscheidet sich die Wirkungsweise (und mithin das Ergebnis) von einer solchen grundlegend: Im Gegensatz zu einem Winkelschleifer mit Drahtbürstenaufsatz schleifen bzw. bürsten die Drähte nicht über die Oberfläche, sondern die Borstenspitzen schlagen jeweils einzeln auf! Verstärkt wird die Aufschlagkraft durch einen sog. Beschleunigungsstab. Hierbei handelt es sich um eine Art Stahlbolzen, der in den rotierenden Drahtkranz eingreift und die Borsten spannt. Wie die Sehne eines gespannten Bogens schnellen dann die freigelassenen Borsten mit erhöhter Energie auf die Oberfläche. Die Borstenspitzen verhalten sich also genau so wie die Granulatkörner beim Sandstrahlen: sie schlagen punktuell auf. Dabei entfernen sie Rost oder eventuelle Restbeschichtung und sie hinterlassen einen winzigen Krater. Die Vielzahl winziger Einschlag-Krater ergibt das Rautiefen- bzw. das sogenannte „Sandstrahlprofil“.

MBX® Gerät

Eine weitere Alternative zum Sandstrahlen ist ein sog. MBX® Gerät – ebenfalls von der Firma MONTI: Das Prinzip der einzeln aufschlagenden Borstenspitzen ist gleich wie beim Bristle Blaster®, jedoch werden die Borsten nicht über einen Beschleunigungsstab geführt. Das Ergebnis ist ein geringeres Sandstrahl-Profil. Altlack und Rost lassen sich ähnlich gut entfernen wie mit Bristle Blaster®.

Überall dort, wo weniger hohe Ansprüche an die Oberfläche gestellt werden und keine besonders hohe Rautiefe gefordert ist, kann MBX® eine Alternative ein. Insbesondere in Karosseriewerkstätten wird MBX® genutzt. Dementsprechend gibt es für das Gerät Drahtborsten-Aufsätze in verschiedenen Ausführungen: grob, mittel und fein – je nach Anwendungsbereich. Zum Entfernen von Unterbodenschutz, Dichtmassen, Rost und Lack ist das Gerät bestens geeignet. Die MBX® Bänder „grob“ und „mittel“ erzeugen ein mittleres bis feines Sandstrahlprofil. Die Bänder „fein“ eignen sich zum Entlacken, lassen die Oberfläche jedoch glatt bleiben.

Vorteil gegenüber Sandstrahlen

Der Bristle Blaster® erreicht das gleiche, sehr gute Ergebnis im Sinne der Oberflächenvorbereitung wie Sandstrahlen. Dies jedoch mit überschaubaren und einfach zu transportierendem Equipment und ohne aufwendige Sicherheitsvorkehrungen, wie sie beim industriellen Sandstrahlen erforderlich sind. Die Geräte gibt es in elektrischer und druckluftbetriebener Ausführung und alles notwendige Equipment passt in einen handlichen Werkzeugkoffer.

Daher eignet sich Bristle Blaster® insbesondere für mobile Arbeiten und für kleinere Flächen. Es wird kein Strahlmittel benötigt. Das heißt, es entstehen – außer dem abgetragenen Material (Rost und Altfarbe) – keine Abfallmaterialien, die entsorgt oder recycelt werden müssten.

Vorteil gegenüber Drahtbürsten und Schleifmaschinen

Schleifende Geräte, wozu auch Draht- und Zopfbürsten zählen, sind in der Lage, Oberflächen zu entlacken und von Rost und Verunreinigungen zu befreien, und dies je nach Aufwand auch in einer gewissen Gründlichkeit. Drahtbürstenwerkzeuge jedoch glätten eher die Oberfläche, wohingegen Sandpapierwerkzeuge, Sandpapier-Lamellenscheiben etc. ein Schleifriefen-Muster hinterlassen. Beide Oberflächen bieten keine oder nur geringe Rauheit, die jedoch Voraussetzung ist für eine verbesserte Haltbarkeit und Witterungsbeständigkeit der Beschichtung.

Daneben gilt es zu beachten, dass schleifende Werkzeuge auch intaktes Material abtragen. Insbesondere bei stark verrosteten und ohnehin schon dünnen Blechen – wie manchmal bei der Oldtimer-Restauration – besteht die Gefahr, durch allzu gründliches Schleifen die Materialdicke noch weiter zu reduzieren. Anders ist es bei Verwendung von Bristle Blaster® oder MBX®: zu entfernender Lack oder Rost werden abgeschlagen; das typische „Sandstrahlprofil“ entsteht durch den Borsteneinschlag, d.h. Verformung zu winzigen Kratern. Ein Abtrag des Basismaterials bleibt dabei vernachlässigbar gering.

Wofür soll ich mich entscheiden?

Die Entscheidung, welche Methode letztlich zum Einsatz kommen soll, ist immer eine Abwägung zwischen Anforderungen (Arbeitsgeschwindigkeit, Vorbereitungs-/Rüst-Aufwand, gewünschte oder geforderte Reinheit und Rauigkeit, mithin Langlebigkeit der Beschichtung) und dem Budget.

Für Objekte, die nicht der Witterung ausgesetzt sind oder sich in korrosiver Umgebung befinden, wird eine „leichte“ Oberflächenvorbereitung vor dem Neuanstrich möglicherweise ausreichen. Das heißt Reinigen und Befreien von losen Rückständen. Je nach Umfang und kann dies maschinell oder mit Handwerkzeugen erfolgen.

Gründlichere Oberflächenvorbereitung ist dann notwendig, wenn die Beschichtung langlebiger und beständiger sein soll. Für industrielle Beschichtungen ist der Grad der Oberflächenvorbereitung in aller Regel vorgegeben und in Normen definiert. Für private Zwecke bist du in deiner Entscheidung natürlich frei, dennoch gilt auch hier: je sauberer und gründlicher die Fläche gereinigt wurde und je besser das Haftprofil ist, desto länger wird der Anstrich halten. In diesem Sinne sind Sandstrahlen und Bristle Blaster® (für Karosseriearbeiten auch MBX®) anderen Methoden vorzuziehen. Die Wahl der Methode der Vorbereitung erfordert genauso viel Aufmerksamkeit und Sachkunde wie der Wahl der richtigen (Rostschutz)-Lackierung.

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3 Kommentare

  • Die oben genannten Alternativen eignen sich durchaus zum Entrosten und Reinigen. Für die meisten Heimanwendungen, bei denen Metall-Objekte neu lackiert werden sollen, ist das in Ordnung und in der Regel ausreichend. Im professionellen Bereich jedoch wird Sandstrahlen auf Stahl deshalb angewendet, weil gleichzeitig eine Oberflächen-Rauheit – das typische Sandstrahlprofil – erzeugt wird und für die nachfolgende Beschichtung vorausgesetzt wird. Hierfür gelten Normen für die Oberflächenrein- und Rauheit. Durch das Sandstrahlprofil wird die Oberfläche vergrößert und ein deutlich besserer Haftgrund erzeugt. Eine Methode als Alternative zum Sandstrahlen, die dies schafft und daher im schweren Korrosionsschutz verbreitet genutzt wird, ist Bristle Blasting. Die Geräte (Bristle Blaster) arbeiten mit rotierenden Draht-Bürsten. Im Unterschied zu in Punkt 1 genannten „Drahtbürstenaufsätzen“ schlagen die Borstenspitzen bei Bristle Blasting jedoch auf die Oberfläche punktuell auf, anstelle über die Oberfläche zu streichen. Rost oder Beschichtung werden entfernt und ein aus vielen kleinen Einschlagkratern bestehendes sandstrahl-ähnliches Profil erzeugt. Das Ergebnis ist anerkannt als Strahlen mit scharfkantigem Granulat (engl. „grit blasting“) gleichwertig. Allerdings ist die Flächenbearbeitung mit Bristle Blaster zeitaufwändiger und wird daher nicht für große Flächen anstelle von Sandstrahlen eingesetzt.

    • Hallo Stefan, vielen Dank für deinen informativen Kommentar! in erster Linie ist mein Artikel natürlich mehr für die „Laien“ geschrieben, Profis informieren sich eher weniger auf meiner Website;). Das mit dem Bristle Blaster werde ich auf jeden Fall noch in den Beitrag mit rein packen, vielen Dank dafür!:)

  • Ich möchte eine Wand meiner Wohnung wieder schön machen, wie sie ursprünglich war und bin auf der Suche nach Tipps. Ich hatte an das Sandstrahlen gedacht, aber ich wusste nicht, dass es auch Alternative gibt, wie ein Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz zu benutzen. Danke für den Hinweis

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